Eure beiden Lehrlinge sind aus dem Beruf ausgestiegen?
DvT: Ja, das ist super schade, sie hatten durchaus Talent.
Was waren die Gründe? Euer Salon hat ein cooles Image, ihr macht tolles Handwerk, habt experimentierfreudiges Publikum. Man meint, wenn es euch nicht gelingt, wem dann?
DvT: Vor allem die viele Interaktion mit Menschen. Ich beobachte seit Jahren, dass die Jungen mental nicht fit genug sind. Sie lernen in der Berufsschule zwar, wie man mit Kunden und Feedback umgeht, aber nicht, wie man mit 16 Jahren reagieren sollte, wenn Kunden ihr ganzes Privatleben raushauen. Da besteht Aufholbedarf in der Ausbildung. am besten, schon bevor sie im Salon anfangen.
Ihr wollt überhaupt keine Lehrlinge mehr aufnehmen?
DvT: Erst einmal nicht, auch wenn wir immer wieder Bewerbungen bekommen - wir sind ausgefallener und stechen ein bisschen aus der Masse heraus, was junge Leute anspricht.
Wir haben uns darauf konzentriert, ein stabiles Team aufzustellen, mit dem ich super happy bin. Zudem bin ich immer wieder unterwegs, kann Lehrlingen also nicht die Zeit geben, die ich möchte. Und wenn das nicht passt, sind die jungen Leute ohnehin weg.
Was vermisst du konkret in der Berufsschule?
DvT: Rhetorik, Psychologie, bessere Praxis und tiefer gehende Farbtheorie. Das erste Lehrjahr sollte näher an der Realität dran sein. Wenn da zu viele Themen sind, die nichts mit dem Alltag zu tun haben, springen die Jugendlichen ab. In einer Zeit von TikTok und Instagram-Reels und einer Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden, ist ein Lehrjahr mit Themen, die null interessieren, wie Folter.
"In einer Zeit von TikTok und Instagram-Reels (...) ist ein Lehrjahr mit Themen, die null interessieren, wie Folter."
Was wäre mit Modulen?
DvT: Ich glaube nicht, dass das Schulsystem darauf ausgerichtet ist. Das lässt sich auch nicht schnell ändern. Außer, man lockert bzw. de-reguliert den Beruf und lässt Privatschulen zu, an denen man modulweise Teile der Ausbildung absolvieren kann. Ich weiß, in Österreich und Deutschland ist das schwieriger, weil man an diesen Strukturen hängt und an dem „Papierchen“, das man am Ende bekommt.
Aber wenn ich den Meister mache und mich 20 Jahre lang nicht weiterbilde, macht mich das nicht zu einem guten Friseur. Da braucht es eine Mindset-Änderung. Ich verstehe, dass sie nicht wollen, dass jeder mit Chemie am Kopf arbeiten kann, aber wir sehen ja, dass sich ganz viele, trotz Schule, nicht auskennen.