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Credit: WEWEREKIDS GmbH

22.08.2025

"4.000€ und die Hälfte schwarz auf die Hand"

Subramaniam Santos führt einen renommierten Barbershop mit einem Mitarbeiter und zwei Azubis in Köln. Er erzählt uns im Interview, was er bei Bewerbungsgesprächen erlebt...

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Im Gespräch mit Katriina Janhunen

imSalon: Du sagst, 80% der Leute, die sich bei dir bewerben, wollen schwarz arbeiten. Erzähl mal, was ist da los?
Subramaniam Santos: Die Bewerber kommen oft rein mit utopischen Vorstellungen, wollen 4.000 € verdienen, aber Teilzeit arbeiten – oder alles ohne Steuern zu zahlen!

Wie reagierst du auf solche Wünsche?
Ich sage, dass das unrealistisch ist. Klar, man kann jede Summe verdienen, wenn man sie auch erwirtschaftet. Diese Gehaltsvorstellungen sind ohne Erfahrung, Fleiß und Stammkundschaft aber nicht möglich. Und selbst wenn – wie viele Kunden willst du denn am Tag durchjagen? Das kann nur zu Unzufriedenheit und Qualitätsverlust führen.

Was erlebst du noch so bei Bewerbungsgesprächen?
Es gibt auch Bewerber, die reinkommen und sagen, dass sie auf der Suche nach einem Job sind – und wenn es um die Gehaltsverhandlung geht, wird es kurios! Ich zahle ein Fixgehalt plus Umsatz- und Verkaufsprovision, das reicht vielen nicht aus. Die wollen zusätzlich die Hälfte des persönlichen Tagesumsatzes bar auf die Hand.

Ist das ein gängiges "Geschäftsmodell"?
Es scheint so! Da dieses Modell für mich sehr schwer zu verstehen war, habe ich einen Bewerber gefragt, wie das umzusetzen wäre. Er sagte, wenn er zum Beispiel am Tag 400€ Umsatz erzielt, würde ihm davon die Hälfte gehören. Ich fragte: "Wovon soll ich die Steuern abführen, Betriebskosten und Material bezahlen bitte? Von deinen 200€? Wie soll ich dich entlohnen?" „Das gebe ich dir!!!“, meinte er.

Und das war noch nicht alles! Ich sagte ihm, dass dieses Modell hier nicht funktioniert und dass, wenn so etwas auffliegt, es schwere Konsequenzen hätte. Daraufhin sagte er zu mir: „Santos, du bist ein Friseur – ich bin aber ein Geschäftsmann!“ Bei dem Spruch bin ich echt vom Glauben abgefallen.

Es gab auch einen sehr interessanten Bewerber, der mit einem Zettel hereinkam. Ich hab sofort gesehen, dass er ein Kollege sein musste, weil er ziemlich lässig wirkte und einen coolen Bart hatte. Ich war gerade an einem Kunden dran. Ich war damals allein im Shop und freute mich sehr, dass ein potenzieller Mitarbeiter den Barbershop betritt. Ich bot ihm direkt eine Vollzeitstelle an. Er sagte: „Ich habe Familie. Ich kann nicht Vollzeit arbeiten!“, ich erwiderte: „Dann eben Teilzeit!“ aber er sagte, das ginge auch nicht, weil er Leistungen vom Staat empfängt, die dann wegfallen würden. Allerdings geringfügig eingestellt und den Rest bar auf die Hand, dann wäre er bereit gewesen zu arbeiten. Ich sagte ihm, dass ich ihm nicht helfen könne, und wünschte ihm alles Gute. Daraufhin fragte er mich - das ganze Gespräch war vor dem Kunden - ob ich wenigstens den Zettel unterschreiben könnte, damit er nachweisen kann, dass er nach Arbeit gefragt hat. Ich war echt enttäuscht und habe ihn gebeten, einfach den Shop zu verlassen.

Bei Friseuren kommen Barbershops oft nicht gut weg…
Friseure sollten sich lieber qualifizieren und ihre Kompetenzen erweitern, statt pauschal über Barbershops zu schimpfen. Es gibt einige gute und etablierte Barbershops, die sich für das Handwerk begeistern, es voranbringen möchten und die Jugend fördern. Ich für meinen Teil bilde aus und übernehme Verantwortung!
Das Barbierhandwerk sollte neben dem Friseurhandwerk eine größere Rolle spielen, damit die nächste Generation Barbiere mit richtigen Werten sowie kaufmännischem und steuerlichem Verständnis herangezogen wird. Solange man die Barbiere ignoriert, wird Schwarzarbeit in dieser Branche nur sehr schwer zu bekämpfen sein.

Vielen Dank, Santos, für diese spannenden Einblicke! 

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