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Salonbesitzerin Martina Zink, Credit: Stefan Hierzer

31.10.2025

„Schwanger & selbstständig – es braucht ein Krankengeld“

Kündigung, Krankenstand, Geburt - und trotzdem das Unternehmen weiterführen. Martina Zink kehrte 3 Monate nach der Geburt ihres Sohnes wieder zurück in den Salon. Ihre Forderung an die Politik: ein krankengeld-ähnliches Modell für schwangere Selbstständige, um sich im Notfall schonen zu können und eine zentrale Anlaufstelle in Krisenzeiten.

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Juliane Krammer im Interview mit Martina Zink

imSalon: Martina, du bist frischgebackene Mama und wieder zurück im Salon. Wie geht es dir?
Martina Zink:
Aktuell hat sich alles eingependelt. Mein Mann managt zu Hause alles und ich kann mich so während ich im Salon bin, voll auf das Unternehmen konzentrieren.

Wie hat sich deine Schwangerschaft als Unternehmerin gestaltet?
MZ:
Der Salon rannte als ich schwanger wurde, sehr gut. Ich hatte Rücklagen, drei Mitarbeiterinnen und war super ausgelastet. Deswegen machte ich mir keine Sorgen. Dann ging es Schlag auf Schlag …

Was passierte?
MZ:
Eine Mitarbeiterin kündigte spontan. Die zwei anderen waren zusammen 1,5 Stellen, also brauchte ich dringend eine Vollzeitkraft, um die Fixkosten zu decken – ausgerechnet im ersten Trimester, mit Kreislaufproblemen und Übelkeit ...

Wie war die Mitarbeitersuche?
MZ:
Ich habe einen hohen Anspruch an mein Team, die Qualität muss passen. Deswegen dauerte die intensive Suche mehrere Wochen. In dieser Zeit verloren wir den aufgebauten Kundenstamm der ehemaligen Mitarbeiterin. Nach drei Monaten fand ich einen passenden Ersatz. Bis die neue Stylistin eingearbeitet war und ihren eigenen Kundenstamm aufgebaut hatte, musste ich die Verluste ausgleichen. Dann kam der nächste Rückschlag.

Das war …?
MZ:
Die neue Mitarbeiterin verletzte sich. Es hieß, sie muss sich 4-8 Wochen schonen. Ich war hochschwanger, eine Woche vor dem Geburtstermin, zahlte Gehalt für die Mitarbeiterin im Krankenstand und musste ihren KundInnen absagen. Da gab ich auf - ich konnte nicht mehr.

 "... ich kehrte gleich nach dem Mutterschutz für 30 Stunden zurück, um die Verluste auszugleichen."

Wie gingst du mit der Situation um?
MZ:
Ich war ehrlich mit meinen Mitarbeiterinnen und sagte, dass ich jetzt meine Kraft für die Geburt brauche und übergab den Salon an die beiden. Dann zog ich mich drei Wochen komplett zurück. Die beiden trafen nach bestem Wissen Entscheidungen – das haben sie super gemacht. Inzwischen hat die Mitarbeiterin, die sich von ihrer Verletzung nicht erholt hatte, gekündigt. Da sie wusste, was es für mich heißt, wenn sie in Langzeitkrankenstand geht – und ich kehrte gleich nach dem Mutterschutz für 30 Stunden zurück, um die Verluste auszugleichen. Jetzt habe ich das Unternehmen wieder aufgefangen. Mein Steuerberater gratulierte mir dafür, dass ich kein Minus gemacht habe. (lacht) Ich fragte mich: "Soll ich nur von Luft und Liebe leben?"

Gibt es Beratungsstellen für schwangere Unternehmerinnen?
MZ:
Ich habe mich an die WKO und die SVS gewandt. Dabei kam aber nichts raus. Man verwies mich an die zuständige Person für Betriebshilfe. Weil ich Wochengeld bezog, kam das nicht infrage.

Und eine physische Betriebshilfe wäre für Friseurinnen möglich?
MZ:
Das gibt es als Alternative zum Wochengeld. Aber wie stellt man sich das vor? Es gibt keine MitarbeiterInnen. Sollen sie jemanden herzaubern, der zu meinen KundInnen passt?

Hattest du vor der Schwangerschaft Kontakt mit der WKO oder der SVS?
MZ:
Nein, mit meinen Rücklagen und dem Team fühlte ich mich sicher. Mein Mann und ich wollten beide je sechs Monate in Karenz gehen. Dann waren wir bei SVS und Arbeiterkammer.

"Mein Steuerberater und die SVS rieten – rein aus wirtschaftlicher Sicht – ab, in Karenz zu gehen."

Welche Infos hast du erhalten?
MZ:
Mein Steuerberater und die SVS rieten – rein aus wirtschaftlicher Sicht – ab, in Karenz zu gehen.

Was ging dir da durch den Kopf?
MZ:
Ich war geschockt. Ich war viele Jahre selbst Arbeitnehmerin. Da bekommst du Unterstützung im Krankenstand, Mutterschutz, Karenz oder Pflegeurlaub. Als Selbstständige ist es umgekehrt: Man ist nicht nur „selbst und ständig“, sondern fühlt sich auch noch selbst schuld an allem.
Selbstständige Mütter sind unsichtbar, obwohl sie so viele Kosten abfangen. Das muss angesprochen werden! Arbeitgeberinnen beschäftigen mehr Mitarbeiterinnen als ein von Männern geführtes Unternehmen. Stichwort Care Arbeit – diese trifft uns doppelt: im Betrieb bei den Mitarbeiterinnen und zu Hause. Wir tragen Risiken, Lohnkosten, Existenzängste – und das System lässt uns im Stich, obwohl wir Betriebe und Arbeitsplätze sichern.

"Ein Krankengeld-ähnliches Modell für schwangere Selbstständige, damit man keine Risiken eingehen muss und sich notfalls schonen kann."

Was wünschst du dir von Seiten der Politik?
MZ:
Ein Krankengeld-ähnliches Modell für schwangere Selbstständige, damit man keine Risiken eingehen muss und sich notfalls schonen kann. Außerdem plädiere ich für Pflegeurlaub für selbstständige Mütter – ein krankes Kind darf keine finanzielle Katastrophe sein. Rückblickend hätte ich mir für meine Situation zumindest eine zentrale Anlaufstelle in solchen Krisenzeiten gewünscht.

"Man muss vorher klären, ob man sich ein Kind „leisten“ kann."

Hast du Tipps, damit es andere Selbstständige leichter haben?
MZ:
Man muss vorher klären, ob man sich ein Kind „leisten“ kann. Baut euch ein starkes Netzwerk auf und habt einen Partnerin, der*die mindestens die Hälfte der Care-Arbeit übernimmt: Mein Mann ermöglicht mir, mich voll und ganz im Salon auf das Unternehmen zu konzentrieren. Gleichzeitig entlastet er mich zu Hause, weil er den Haushalt führt und ich nach dem Salon-Alltag ausschließlich die Zeit mit meinem Sohn genießen darf. 

Danke, Martina, für diesen Einblick und alles Gute für die Zukunft!

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