Gibt es Beratungsstellen für schwangere Unternehmerinnen?
MZ: Ich habe mich an die WKO und die SVS gewandt. Dabei kam aber nichts raus. Man verwies mich an die zuständige Person für Betriebshilfe. Weil ich Wochengeld bezog, kam das nicht infrage.
Und eine physische Betriebshilfe wäre für Friseurinnen möglich?
MZ: Das gibt es als Alternative zum Wochengeld. Aber wie stellt man sich das vor? Es gibt keine MitarbeiterInnen. Sollen sie jemanden herzaubern, der zu meinen KundInnen passt?
Hattest du vor der Schwangerschaft Kontakt mit der WKO oder der SVS?
MZ: Nein, mit meinen Rücklagen und dem Team fühlte ich mich sicher. Mein Mann und ich wollten beide je sechs Monate in Karenz gehen. Dann waren wir bei SVS und Arbeiterkammer.
"Mein Steuerberater und die SVS rieten – rein aus wirtschaftlicher Sicht – ab, in Karenz zu gehen."
Welche Infos hast du erhalten?
MZ: Mein Steuerberater und die SVS rieten – rein aus wirtschaftlicher Sicht – ab, in Karenz zu gehen.
Was ging dir da durch den Kopf?
MZ: Ich war geschockt. Ich war viele Jahre selbst Arbeitnehmerin. Da bekommst du Unterstützung im Krankenstand, Mutterschutz, Karenz oder Pflegeurlaub. Als Selbstständige ist es umgekehrt: Man ist nicht nur „selbst und ständig“, sondern fühlt sich auch noch selbst schuld an allem.
Selbstständige Mütter sind unsichtbar, obwohl sie so viele Kosten abfangen. Das muss angesprochen werden! Arbeitgeberinnen beschäftigen mehr Mitarbeiterinnen als ein von Männern geführtes Unternehmen. Stichwort Care Arbeit – diese trifft uns doppelt: im Betrieb bei den Mitarbeiterinnen und zu Hause. Wir tragen Risiken, Lohnkosten, Existenzängste – und das System lässt uns im Stich, obwohl wir Betriebe und Arbeitsplätze sichern.
"Ein Krankengeld-ähnliches Modell für schwangere Selbstständige, damit man keine Risiken eingehen muss und sich notfalls schonen kann."
Was wünschst du dir von Seiten der Politik?
MZ: Ein Krankengeld-ähnliches Modell für schwangere Selbstständige, damit man keine Risiken eingehen muss und sich notfalls schonen kann. Außerdem plädiere ich für Pflegeurlaub für selbstständige Mütter – ein krankes Kind darf keine finanzielle Katastrophe sein. Rückblickend hätte ich mir für meine Situation zumindest eine zentrale Anlaufstelle in solchen Krisenzeiten gewünscht.
"Man muss vorher klären, ob man sich ein Kind „leisten“ kann."
Hast du Tipps, damit es andere Selbstständige leichter haben?
MZ: Man muss vorher klären, ob man sich ein Kind „leisten“ kann. Baut euch ein starkes Netzwerk auf und habt einen Partnerin, der*die mindestens die Hälfte der Care-Arbeit übernimmt: Mein Mann ermöglicht mir, mich voll und ganz im Salon auf das Unternehmen zu konzentrieren. Gleichzeitig entlastet er mich zu Hause, weil er den Haushalt führt und ich nach dem Salon-Alltag ausschließlich die Zeit mit meinem Sohn genießen darf.
Danke, Martina, für diesen Einblick und alles Gute für die Zukunft!