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Daniel Daurer ist seit August 2025 Landesinnungsmeister in Niederösterreich | Credit: Nina Hladil nhpictures

07.11.2025

„Auch EPUs können ausbilden!“

Personalmangel bleibt die größte Herausforderung. Landesinnungsmeister Daniel Daurer (NÖ) über den Wandel der Branche durch EPUs und Barbershops und die Folgen auf den Ausbildungsmarkt. Wie EPUs gemeinsam ausbilden könnten und welche Gedanken er in Richtung einer Fachschule mit Friseur, Kosmetik & Einzelhandel hat ...

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Daniel Daurer im Gespräch mit Katja Ottiger

Du hast mit 1. August 2025 das Amt des Landesinnungsmeisters von ►Silvia Rupp übernommen. Deine Bestellung war keine Überraschung, zahlreiche Gespräche gingen dem voraus. Hattest du trotzdem Bedenken?
Daniel Daurer:
Natürlich, ich hatte auch um ausführliche Bedenkzeit gebeten und hinterfragt: Schaffe ich es zeitlich, neben Familie und Betrieb, diesem umfassenden Amt gerecht zu werden? Habe ich die richtigen Skills? Was möchte ich als Landesinnungsmeister erreichen? Denn es ist nicht mein Anspruch, „nur“ eine schöne Veranstaltung zu machen oder Mitglieder zu begrüßen und zu ehren, sondern ich möchte positiv auf die Branche einwirken.

"Es ist nicht mein Anspruch, 'nur' eine schöne Veranstaltung zu machen."

Was waren deine ersten Maßnahmen?
DD:
Meine ersten drei Monate waren geprägt von den Euroskills. Wir hatten eine Teilnehmerin aus Niederösterreich, also war ich mit der Delegationsreise in Herning (Anm. Dänemark) dabei. Dann war natürlich die ►HAARMANIA und bereits im August starteten die Vorbereitungen für unser Winterfest, das Ende November stattfindet. In meine Kernthemen habe ich noch nicht einsteigen können.

Wie definierst du deine Rolle als Landesinnungsmeister?
DD:
Ich tendiere zu Branchenentwickler und politischer Interessensvertreter.

"EPU und Barbershop (...) In der Kernfrage der Ausbildung ist das ein Problem."

Was ist aus deiner Sicht die dringendste Herausforderung in Niederösterreich?
DD: Der Fachkräftemangel, der in den nächsten 15 Jahren wie eine Schere aufgehen wird. Und hierbei spielen EPU und Barbershops eine entscheidende Rolle: Der klassische Friseur am Land mit zweieinhalb Mitarbeitern und einem Lehrling geht in Pension und wird nicht nachbesetzt. Stattdessen kommen ein EPU und ein Barbershop in die Ortschaft, die beide nicht ausbilden. In der Kernfrage der Ausbildung ist das ein Problem.

>>> Zur Statistik

Die Lehrlingszahlen in NÖ sind mit ca. 380 in den letzten Jahren recht stabil. Du bildest selbst aus und bist der Ansicht, dass interessierte Jugendliche mitunter keine Lehrstelle finden. Wie lässt sich das lösen?
DD:
Wir müssen uns im Ausbildungssektor breiter aufstellen – und ich sage bewusst Ausbildung und nicht Lehre. Das duale System ist ein gutes System, es funktioniert. Aber die Zeit hat sich weiterentwickelt und wir sollten das System um andere Möglichkeiten erweitern.

Was sind deine konkreten Vorschläge?
DD:
Eine private Fachschule mit dreijähriger, praxisnaher Ausbildung, verbunden mit der Kosmetikbranche und dem Einzelhandel, also des Bürokaufmanns und der Bürokauffrau. Die Leute wären ca. acht Monate in der Schule und drei Monate verpflichtend im Betrieb. Mein Ansatz ist, eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht zu implizieren, mit finanzieller Unterstützung vom Bund, Gleichstellung mit Privatschulen, mit eigenen Statuten und staatlich anerkannten Abschlüssen. Und ganz bewusst ohne Matura. Erste Gespräche dahingehend habe ich mit der Wirtschaftskammer bereits geführt. Diese Fachschule wäre eine regionale Maßnahme und nur ein Teil vom Ganzen.

Sollten die Schülerinnen und Schüler dafür zahlen?
DD:
Ja, einen Schulgeldbeitrag. In Privatschulen sind das in der Regel zwischen 150 und 300 Euro monatlich.

"Wir müssen die EPU mit ins Boot holen."

Warum eine Fachschule ohne Matura?
DD:
Was die HBLA (Höhere Bundeslehranstalt, Anm.) zeigt: Die Leute, die die Matura machen, haben danach oft nicht das Ansinnen im Betrieb zu bleiben und am Kunden zu stehen.  Wir müssen wirklich alle Kanäle bedienen, um zu unseren Fachkräften zu kommen. Wir müssen natürlich weiterhin  auf Erwachsenenbildung setzen und bestehende Modelle, wie z.B. die AQUA-Lehre vom AMS, weiter ausbauen und stützen.
Jeder Betrieb kann auch einen Menschen ohne Lehrvertrag und auf Teilzeitbasis ausbilden. Gerade interessant im Umschulungssektor. So könnte eine Mutter in Teilzeit den Beruf erlernen und nach entsprechender Stundenanzahl und abgeleisteter Ausbildungszeit zu einer Lehrprüfung antreten. Und ganz wichtig: Wir müssen die EPU mit ins Boot holen.

Wie könnte das funktionieren?
DD: Zwei, drei EPUs können sich ohne weiteres einen Lehrling über einen Ausbildungsverband teilen und gemeinsam eine Fachkraft ausbilden. Der rechtliche Rahmen gibt da schon sehr vieles her, wir müssen die Betriebe darüber nur besser informieren. Es gibt Beispiele, wo sich drei EPUs ein Geschäftslokal teilen, sie könnten sich auch einen Lehrling teilen. Gerade heute, mit der Tendenz zur 4-Tage-Woche, wo einige Kolleginnen und Kollegen nur noch 30 Stunden geöffnet haben, und ein Lehrvertrag aber 40 Stunden umfassen muss, werden solche Modelle attraktiver: Mein EPU in der Nachbarschaft übernimmt den Lehrling, wenn ich nicht da bin.

Schwarzarbeit und Dumping beschäftigen die Branche zudem. Welche Maßnahmen erwartest du von Behörden – und welche Initiativen setzt die Innung selbst?
DD:
In Niederösterreich funktioniert die Zusammenarbeit mit den BHs (Bezirkshuaptmannschaften, Anm.) sehr gut. Wir bekommen von der BH-Geschäftsanträge, die wir auf fachliche Gegebenheiten prüfen. Wenn beispielsweise dezidierte Fälle von Schwarzarbeit oder Gesetzesverstößen bei uns reinkommen, leiten wir die von der Wirtschaftskammer umgehend an die Finanz weiter.

"Es wäre wichtig, den Gewerbezugang zu vereinheitlichen."

Allerdings wünsche ich mir, dass die BHs österreichweit miteinander vernetzt sind und zusammenarbeiten, das würde Standortüberprüfungen erleichtern. Und es wäre wichtig, den Gewerbezugang zu vereinheitlichen. Für jeden Gewerbeschein braucht es eine Unternehmerprüfung - ob Barber mit Einschränkung auf Herren oder normales Friseurgeschäft – und das über alle reglementierten Gewerbe hinaus.

Was treibt dich an, die Branche voranbringen zu wollen?
DD:
Ich habe sehr jung als Wirtschaftskammerfunktionär gestartet und ich glaube, man macht das nur, wenn man einen gewissen Entwicklungswillen hat. In dieser Funktion ist man einfach motiviert, egal mit welcher Problematik man konfrontiert wird. Ich bin mir sicher, dass jeder Innungsmeister, jede Innungsmeisterin und die Stellvertretenden, die viel Arbeit und Zeit investieren, eine hohe Motivation haben, das Beste aus der Branche herauszuholen.

Was wünschst du dir von der Branche?
DD:
Einen starken Zusammenhalt und eine gute Kommunikation miteinander. Gerade zwischen Berufsschulen, Industriekooperation, Innungen und Betrieben. Im Vergleich zum Handel sind wir eine kleine Branche. Umso wichtiger ist es, an einem Strang zu ziehen, ohne Quertreiber. Dass die Industrie hinter der Bundesinnung steht, dass, wenn die Berufsschulen etwas brauchen, die Kammern dahinterstehen und dass, wenn wir Veranstaltungen machen, die Betriebe auch kommen.

Wie erreicht ihr eure Mitgliedsbetriebe?
DD:
Wir bedienen sämtliche Kanäle wie Newsletter oder App und machen sehr viele Betriebsbesuche. Der Innungsvorstand fährt rund 30.000 Kilometer im Jahr und versendet 23.500 E-Mails. Der direkte Kontakt ist da. Und wenn ein Mitglied ein Anliegen hat, kann der- oder diejenige mich einfach gern anrufen: 0664 534 5069. Denn Probleme kann man nur angreifen und angehen, wenn man davon weiß.

Über Daniel Daurer:

  • 2 Salons „Friseur Daurer“ in NÖ
  • 12 Mitarbeitende, davon 3 Lehrlinge (2 klassische Lehre, 1 Erwachsenenbildung)
  • Seit 2010 aktiv in der Innung der Friseure NÖ: Bezirksvertrauensperson, Lehrlingswart, stellvertretender Landesinnungsmeister sowie Arbeitskreis Aus- und Weiterbildung in der Bundesinnung
  • Seit 1. August Landesinnungsmeister der Friseure NÖ

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