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Credit: Johanna Sandmayr

14.11.2025

„10% Kostenerhöhung = 10% Preissteigerung“

Quereinsteigerin Johanna Sandmayr erhöht konsequent Preise zum 01.02. und rechtfertigt sich nicht. Das antwortet sie ihren Kundinnen und Kunden …

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Juliane Krammer im Interview mit Johanna Sandmayr

Johanna, du bist erfolgreiche Quereinsteigerin in der Friseurbranche …
JS:
Ja, ich habe Wirtschaft mit Schwerpunkt auf Unternehmensgründung und -Entwicklung studiert, war auch an der PH (Pädagogische Hochschule, Anm.) und als Volkschullehrerin tätig. Frisuren zu machen, habe ich immer schon geliebt und mich über all die Jahre an den Haaren von Freunden oder Familie ausprobiert. Eine Friseurin, die in einem Mietshaus meines Mannes tätig war, ging in Pension. Da hat mich mein Mann bestärkt, dass wir das gemeinsam übernehmen.

Wie war deine Ausbildung als Quereinsteigerin?
JS:
Ich bin zum WIFI-Infoabend gegangen und habe mich - recht naiv - gleich angemeldet, ein paar Module absolviert und letztendlich den Meisterkurs belegt. Die Unternehmerprüfung musste ich nicht ablegen. Eine Freundin war damals schon Salonbesitzerin und bei ihr durfte ich schnuppern und trainieren und meine jetzige Salonleiterin unterstützte mich in der Ausbildungsphase in puncto Dauerwelle. In diesen 3 Jahren habe ich viele unterschiedliche Modelle gemacht – die ganze Verwandtschaft hat hergehalten und ich hatte einen großen Trainingskopf-Verschleiß. Besonders bei Schwarzkopf Professional habe ich viele Seminare besucht: Master of Color, Balayage, Strähnen, Blond, Schnitte, …

Das heißt, mit Seminaren hast du dir deine vertiefende Expertise angeeignet?
JS:
Genau, da ist wirklich viel Geld hineingeflossen. Ich wollte mich nicht in meinen Salon stellen, den Meister haben - und nichts können.

Du führst 3 Salons in Oberösterreich. Viele UnternehmerInnen klagen, dass sie keine Mitarbeitenden finden und verkleinern müssen. Was machst du anders?
JS:
Ich begegne meinem Team mit viel Respekt und Vertrauen und lege großen Wert auf eine offene Kommunikation, deshalb sehe ich mich eher als eine Art Mentorin. Seit Oktober stehe ich auch nicht mehr im Salon, sondern manage die drei Standorte. Meine Aufgabe ist das gesamte Administrative und nur wenn Not an Frau ist, springe ich ein. Jede Mitarbeiterin hat zusätzlich eine Verantwortlichkeit übernommen: Social Media, Salonleitung oder Lehrlinge. Natürlich bezahle ich durch diese Zusatzverantwortung auch mehr. Meine Erfahrung ist, dass es dem Team guttut, wenn ich nicht 40 Stunden im Salon bin und sie nicht das Gefühl haben, kontrolliert zu werden.

"Wir rechtfertigen unsere Preise nicht!"

Wie stehst du zum Thema Preise bzw. Preiserhöhung?
JS:
Ich habe einen Wirtschaftshintergrund und mit Salonstart die Preise genau durchgerechnet. Dafür wurde jedes Shampoo, jedes Haarspray, usw. auf der Waage abgewogen und kalkuliert, wieviel Gramm ich brauche. So entstanden die Preise. Es gibt aber Materialpreiserhöhungen, KV-Erhöhungen, usw. und an die muss ich mich halten. Wenn das für mich + 10% bedeutet, dann heißt das für KundInnen ebenfalls eine Erhöhung um 10%. Anders geht das nicht. Das gebe ich auch meinem Team mit: Wir rechtfertigen unsere Preise nicht! Am 1. Februar gibt es bei uns immer eine Preiserhöhung. Die Info steht an der Kasse mit einem Schild: „Alle Jahre wieder!“

"Ich verstehe Sie. Probieren Sie einen anderen Salon aus, der günstiger ist und wenn es dort mit der Qualität nicht passt, dann sind Sie jederzeit wieder willkommen!“

Wie geht ihr mit Preiserhöhungs-Beschwerden um?
JS:
Es gibt Kundinnen, die sagen, wir sind zu teuer. Meine Antwort ist aufrichtig höflich gemeint: „Ich verstehe Sie. Probieren Sie einen anderen Salon aus, der günstiger ist und wenn es dort mit der Qualität nicht passt, dann sind Sie jederzeit wieder willkommen!“

Wie stehst du zum Thema Ausbildung?
JS:
Ab September bilde ich in allen drei Salons aus. Mein Ansatz ist, nie mehr als einen Lehrling pro Salon auszubilden. Nur so kann ich mich gut auf den Lehrling konzentrieren und eine hochwertige Ausbildung bieten. Gleichzeitig soll ein Konkurrenzkampf unter den Lehrlingen vermieden werden.

Ist negative Konkurrenz unter Lehrlingen ein Thema?
JS:
Meine jungen Mitarbeiterinnen haben mich dafür sensibilisiert. Bei mehreren Lehrlingen gibt es oft einen „Liebling“ und das führt zu einem Ungleichgewicht und kann die Grundstimmung des Teams belasten.

Du selbst hast zu Beginn erzählt, dass du Wirtschaft studiert hast. In Deutschland bietet ein Friseursalon eine ►Lehre + Studium, um so Top-Mitarbeiter zu gewinnen. Ist das auch etwas für dich?
JS: Ich finde die duale Ausbildung spitze. Ein Studium und eine ordentliche Friseurlehre kosten viel Kraft. Mir ist wichtig, dass meine MitarbeiterInnen mit dem Kopf ganz bei der Sache sind.

Das heißt, zusätzliches betriebswirtschaftliches Wissen ist für dich kein Muss für FriseurInnen?
JS:
Nein, ganz im Gegenteil. Es ist wichtig! Aber für eine Doppelausbildung muss die richtige Person kommen, die sich für beide Bereiche interessiert. Für Friseure ist betriebswirtschaftliches Wissen immens wichtig, aber nicht allen ist das bewusst. Ich hatte einmal eine Begegnung: Bei einer Fortbildung begann eine Friseurin neben mir zu weinen, sie meinte, sie und ihre drei Mitarbeiterinnen arbeiten rund um die Uhr und am Monatsende bleibe nichts übrig. Ich wollte von ihr wissen, was ihre Gemeinkosten, Lohnkosten, etc. sind - sie hatte es nicht gewusst. Sie arbeitete einfach ohne wirtschaftliche Grundlage. Wenn man die Zahlen nicht im Blick hat, dann beginnt das Schiff zu sinken.

Vielen Dank, Johanna, für die Zeit und das Gespräch!

Über "Die Gute Stube":

  • 3 Standorte: Vestenthal, St. Valentin und Steyr
  • 15 Mitarbeitende, dzt. 1 Lehrling

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