Im Interview mit Raphaela Kirschnick
Die Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) soll Jugendlichen ohne sofortige Lehrstelle den Einstieg in eine Ausbildung ermöglichen. Wie stellen Sie sicher, dass ÜBA-Teilnehmende möglichst rasch in betriebliche Lehrstellen übertreten und Ausbildungsbetrieben nicht „entzogen“ werden?
Dr. Johannes Kopf: In Österreich gibt es eine Ausbildungsgarantie: Diese garantiert allen Jugendlichen bis 25 Jahre eine Ausbildungsmöglichkeit, auch wenn sie keinen regulären Lehrplatz in einem Betrieb finden. Das AMS übernimmt in diesem Zusammenhang nicht nur eine berufliche, sondern in vielen Fällen auch eine sozialpädagogische Betreuung. Es geht darum, diese Jugendlichen auf ein reguläres Berufsleben oder auch Leben als Lehrling vorzubereiten. So wird ihnen in weiterer Folge eine Integration in Firmen ermöglicht. Die Zielgruppe, um die sich das AMS dabei annimmt, sind vielfach Jugendliche mit persönlichen und psychischen Problemen; oft mangelt es an sozialen Fertigkeiten oder schulischen Grundkenntnissen. Zudem erschweren vielfach schlechte Deutschkenntnisse die Lehre in einem Betrieb noch zusätzlich.
Wie gelangen diese Jugendliche dann in reguläre Ausbildungsbetriebe?
Dr. JK: ÜBA-Schulungsinstitute, über die das AMS überbetriebliche Lehren anbietet, haben laufenden Kontakte zu potenziellen (Ausbildungs-)Betrieben. Daher werden Lehrlinge, die in einer ÜBA gelernt haben, einem regulären Arbeitsleben nachzugehen, bereits lange vor Abschluss ihrer Ausbildung von Betrieben abgeworben. Diese Lehrlinge haben nach ihrer Zeit bei den ÜBA-Schulungsbetrieben viele fachliche und persönliche Qualifikationen erworben, die sie für Ausbildungsbetriebe attraktiv machen. Sie können daher in einen regulären Lehrbetrieb übernommen werden und am freien Markt ihre Lehre abschließen. Das betrifft weit mehr als die Hälfte aller ÜBA-Lehrlinge.