"Die Stühle werden nicht mehr Vollzeit gemietet, wie zu Anfangszeiten, sondern individuell – 2 oder 3 Tage."
Wie organisierst du dich als Inhaberin von zwei Stuhlmiete-Salons?
LTM: Die beiden Standorte liegen rund 400 km auseinander. In Wien habe ich derzeit einen Angestellten, der auch die Salonleitung übernimmt und zusätzlich 6 Freelancer.
Die Stühle werden nicht mehr Vollzeit gemietet, wie zu Anfangszeiten, sondern individuell – 2 oder 3 Tage. Die Leute arbeiten intensiver, aber insgesamt weniger Tage. Dieser Wandel spiegelt sich auch bei den Angestellten wider.
Meinem Angestellten habe ich sogar angeboten, auch auf Stuhlmiete umzusteigen. Er bräuchte hierfür nur die Unternehmerprüfung, aber er bevorzugt die Arbeitnehmer-Variante, was für mich auch vollkommen in Ordnung ist.
Wie läuft die interne Kommunikation ab?
LTM: Ich bin für meine StuhlmieterInnen telefonisch immer erreichbar, sollte irgendetwas nicht funktionieren.
Hast du für jede/n StuhlmieterIn ein Lager, wo Produkte untergebracht werden können?
LTM: Es gibt für jeden Freelancer einen eigenen Bereich, der genutzt werden kann.
Gibt es eine Schattenseite als Stuhlvermieterin?
LTM: Freelancer kommen und gehen, weil Stuhlmiete meist ein Sprungbrett für das eigene Friseurgeschäft ist.
"Stuhlmiete ist das Konzept der Zukunft: Gute Leute einzustellen oder Lehrlinge zu finden, ist ein großes Problem. Wir FriseurInnen werden immer weniger, wollen volle Flexibilität und gut verdienen."
Was sind deine Learnings beim Stuhlmiete-Konzept?
LTM: Holt euch einen Professionisten dazu oder sprecht mit Menschen, die Stuhlmiete anbieten. Auch wenn die Innung Infos zur Stuhlmiete ausgibt, sollte man sich noch bei anderen Experten absichern. Meines Erachtens ist Stuhlmiete das Konzept der Zukunft: Gute Leute einzustellen oder Lehrlinge zu finden, ist ein großes Problem. Wir FriseurInnen werden immer weniger, wollen volle Flexibilität und gut verdienen. Die Stuhlmiete bietet dafür eine Möglichkeit. Man kann ein Leben führen, das lebenswert ist, obwohl man in einer One-on-One Dienstleistung arbeitet.
Wichtig ist außerdem, dass die Freelancer gut zusammenpassen und einen bestimmten Qualitätsstandard halten. Wir haben bei Your Choice ein Grund-Pricing, das nicht unterschritten werden darf, um Preisdumping zu vermeiden.
Führt das zu Diskussionen mit Mietenden?
LTM: Sobald man selbst die Buchhaltung macht, merkt man schnell, dass niedrige Preise nicht rentabel sind.
Hast du dich schon mal von StuhlmieterInnen getrennt?
LTM: Nein, bis jetzt noch nicht. Durch ein Probe-Arbeiten und das persönliche Gespräch, erkenne ich, ob der Vibe passt oder nicht. Sollte es aber Diskrepanzen im Salon geben bzw. eine Person dafür verantwortlich sein, würde ich in Handlung kommen. KundInnen spüren das und sie legen Wert auf hohe Qualität und da muss auch die Atmosphäre passen.
Du warst eine der Stuhlmiete-Vorreiterinnen in Wien. Wie kam es zu dieser Idee?
LTM: Ich wollte immer auf Augenhöhe mit jemandem arbeiten. Eine Kollegin war damals schon Stuhlmieterin, ihr habe ich rund um das Konzept Löcher in den Bauch gefragt. Gemeinsam mit meiner damaligen Geschäftspartnerin startete alles. Sie ist Slowakin und erzählte vom Friseursalon ihrer Oma, wo Stuhlmiete üblich war. Genauso arbeitete sie in England als Stuhlmieterin – für sie war das nichts Neues. Dort gibt es eigene Vermietungsfirmen für Dienstleistungen. In Österreich hinken wir diesbezüglich etwa 20 Jahre hinterher.
Dein Tipp für jene die Stühle vermieten wollen?
LTM: Rechtliche Aspekte abklären und gewisse Grundregeln einhalten, damit Scheinanstellung kein Thema ist. Wir haben uns einen rechtlich dichten Vertrag aufsetzen lassen und losgelegt.
Wurde dein Stuhlmiete-Konzept in den letzten 12 Jahren kontrolliert, ob alles nach Vorgabe umgesetzt wird?
LTM: Nie. Nur die Registrierkassensysteme wurden kontrolliert. Aber ich bin da mittlerweile sehr entspannt. Ich war sehr akribisch: Wir sind viele Firmen, die an derselben Adresse angemeldet sind, jeder hat sein eigenes Bankkonto, eine eigene Registrierkasse und eine eigene Webseite. Von außen ist durch Schilder ersichtlich, dass wir unterschiedliche Firmen sind.
Gab es Hürden?
LTM: Tatsächlich wurde uns von der Innung in den Anfängen aktiv von einem Stuhlmiete-Salon abgeraten. Ich habe damals nach einer Vertrags-Vorlage gefragt und mir wurde gesagt, das Ganze sei illegal. Mittlerweile hat sich aber auch diese Position verändert, da sie auch erkannt haben, dass das die Zukunft, neben der Anstellung, sein wird. Unsere Branche ist in einem großen Transformationsprozess.
Vielen Dank, Lisa, für das spannende Gespräch und alles Gute für die Zukunft.