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Credit: Combo-Shops GmbH

08.01.2026

Friseur-Einzelkämpfer brauchen ein starkes Netzwerk

Reinhard Schanes startet 2026 das neue Großprojekt ‚BellAffairPro‘. Im Visier sind EPUs und Kleinbetriebe sowie deren Bedürfnisse: große unkomplizierte Markenauswahl und coole Produkte, Erfahrungsaustausch, Seminar-Sharing und eine Community, zu der sie gehören können.

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Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Reinhard Schanes, CEO Look-up Professional, BellAffairPro und BellAffair

Worauf bist du im Jahresrückblick am meisten stolz?
Reinhard Schanes:
Ich schaue eigentlich lieber nach vorne als zurück. 2025 war wirtschaftlich generell ein sehr schweres Jahr – für alle, ob für Friseure, den Großhandel oder die Industrie. Stolz bin ich darauf, dass wir trotz allem sehr fokussiert geblieben sind und ein großes Projekt auf die Schiene bringen konnten. 2026 bringt etwas ganz Großes, im Fokus steht dabei der Friseur.

Jetzt bin ich neugierig!
RS:
Wir werden mit ‚BellAffairPro‘ eine neuartige B2B-Plattform etablieren, die am 19. Januar live geht.

Es gibt ja bereits unzählige Online-Shops, was soll BellAffairPro anders machen?
RS:
Ich bin seit 25 Jahren in der Friseurbranche. 2000 habe ich mit Look-up Friseursalons und einen Fachmarkt gegründet. Da erlebt man viel und lernt das Handwerk sehr gut kennen. Zusätzlich beliefern wir mit BellAffair seit 2014 aktiv EndverbraucherInnen. Damit kenne ich einerseits die Wünsche und Anforderungen der EndkonsumentInnen, gleichzeitig aber auch die Ängste und Sorgen der FriseurunternehmerInnen. Von diesem Wissen profitiert die Entwicklung. Auch wenn sich immer noch viele dagegen sträuben: Der Online-Bereich ist nicht mehr wegzudenken. Mit der neuen Plattform schaffen wir eine Basis, um die Bedürfnisse der Friseurbranche gezielt abzudecken.

Und euer Außendienst?
RS:
Unser Außendienst sichert weiterhin die physische Betreuung im Markt, das wird sich auch nicht ändern. Parallel jedoch investieren wir in das extrem stark wachsende Online-Business und stärken die synergiereiche Kombination beider Sparten, also Endverbraucher und Friseur.

Den Fachhandel Lookup gibt es ja bereits sehr lange, bleibt dieser bestehen?
RS:
Aktuell bleibt er unser Firmendach, mittelfristig soll Look-up durch BellAffairPro ersetzt werden. Das wird allerdings ein langsamer, sukzessiver Prozess.

Wie wirken sich aktuelle Veränderungen im Markt aufs Kaufverhalten eurer Kunden aus?
RS:
Friseursalons werden kleiner, über 50 Prozent sind Ein-Personen-Unternehmen. Das führt vor allem dazu, dass die Warenkörbe nicht mehr so groß sind. Früher hat ein Salon zweimal im Monat groß bestellt, heute bestellen viele viermal – aber dafür weniger. Es wird auch bedachter bestellt. Friseure haben wirtschaftlich verstanden, dass es nicht immer sinnvoll ist, das Lager komplett voll zu haben.

Und wie sieht es mit der Preissensibilität aus?
RS:
Der Preis ist wesentlich, aber nicht entscheidend. Ebenso wichtig sind Qualität, Lieferfähigkeit, Service und Information. Kunden legen viel Wert auf das gesamte Rundherum und darauf, im Lieferanten eine Vertrauensperson zu haben.

Welche Bedürfnisse wollt ihr neu bedienen?
RS:
Der Shop ist auf die Bedürfnisse von Kleinbetrieben und EPUs koordiniert zugeschnitten. Das hat so noch niemand gemacht.

Welch anderen Bedürfnisse meint ihr damit konkret?
RS:
Viele Anforderungen eines EPUs sind die gleichen wie die eines großen Salons. Aber … Wir haben uns im vergangenen Jahr mit sehr vielen EPUs in Diskussionsrunden zusammengesetzt und wollten wissen, was ihre Wünsche sind. Da kamen einfache Dinge zur Sprache, etwa ein fehlendes Schulungsprogramm für Einzelkämpfer.
Auch mangelhafte oder nicht gebündelte Informationen zu Trends und Produkten wurden genannt. Viele meinten, es fehle ein Überblick darüber, welche Marken es überhaupt gibt.

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Kurze Zwischenfrage: Wie viele unterschiedliche Marken führt ihr?
RS:
Aktuell führen wir über 80 Marken. Du findest bei uns Traditionsmarken von Schwarzkopf Professional und Wella Professionals ebenso Marken wie Davines oder Aveda.

Wie können Nutzer bei euch die Marken kennenlernen?
RS:
Auf BellAffairPro wird es eigene Markenwelten geben. Dort sind Philosophie und Produkte der jeweiligen Marken beschrieben. So können sich BesucherInnen unseres Shops unabhängig ein Bild machen. Bei uns muss niemand Pakete kaufen, sondern nur das, was man wirklich möchte.

Sind Eigenmarken unter BellAffair geplant?
RS:
Nein. Wir wollen keine Eigenmarken anbieten. Wir setzen auf Marken, die FriseurInnen seit 50 Jahren kennen. Da brauche ich nichts Neues zu erfinden und kann von Haarpflege bis Einrichtung ein komplettes Premium-Sortiment anbieten. Viele wollen außerdem nicht mehr nur eine Marke kaufen, sondern coole Produkte aus unterschiedlichen Ranges wählen. Warum auch nicht?

Und wie löst ihr das?
RS:
Aus dem Grund bieten wir Dropshipping an. Sie können aus den einzelnen Marken ihre Favoriten herauspicken.

Zurück zu euren Gesprächen mit den EPUs, welche weiteren unerwarteten Erkenntnisse konntet ihr gewinnen?
RS:
Vieles, was man vielleicht erahnt, aber nicht unbedingt am Schirm hat. Beispielsweise ist der Community-Gedanke sehr stark ausgeprägt. Die allermeisten suchen ein Netzwerk, in dem sie unter ihresgleichen Erfahrungsaustausch betreiben können. In einem Salon hast du ArbeitskollegInnen, einen Chef, Vertreterkontakte – das alles sind Verbindungen in die Friseurwelt. EPUs sind häufig Einzelkämpfer, möchten sich aber genauso weiterentwickeln. Das haben wir aufgegriffen und umgesetzt. Mit BellAffairPro schaffen wir eine markenneutrale Community und bieten viele Kanäle, über die man sich austauschen und Fragen stellen kann.

Und bei Fragen geht es dann eher um Fachliches oder Business?
RS:
Beides! Sie haben unglaublich viele Fragen steuerrechtlicher oder wirtschaftlicher Natur.

Sind dafür nicht die Kammern verantwortlich?
RS:
Das wissen FriseurInnen auch und holen sich dort sicher ihre Informationen. Wir sehen uns eher als erste Anlaufstelle und leiten dann an die Kammer weiter. Aber wie sieht es mit der Umsetzung in der Praxis aus? Genau da entstehen viele Fragen und Herausforderungen – und dafür bietet der Austausch in der Community Lösungsansätze. Friseur-Einzelkämpfer brauchen ein Netzwerk für den Erfahrungsaustausch!

Start der Plattform ist am 19. Januar und ihr seid natürlich im Vorbereitungsstress. Gibt es darüber hinaus dennoch bereits Pläne?
RS:
Dieses Konzept wird permanent wachsen. Ein nächster Schritt wird sicherlich der Schritt von online in die analoge Welt sein, denn das Persönliche bleibt ebenso wichtig.

Wie wird das Thema Weiterbildung in der Plattform abgebildet?
RS:
Es gibt mehrere Ansätze. Einerseits bieten wir fertige Schnitt- und Farbseminare sowie betriebswirtschaftliche Inhalte in Videoform und als Webinare an. Stationäre Schulungen werden weiterhin von unseren Partnern und Lieferanten angeboten und bei uns in einem Schulungskatalog abgebildet. So kann sich jede/r seine Schulungen individuell zusammenstellen.

Bietet auch ihr Schulungen an?
RS:
Auch hier setzen wir auf den Community-Gedanken. Es gibt so viele talentierte FriseurInnen, was spricht dagegen, dass jemand, der beispielsweise im Hochstecken besonders stark ist und dieses Wissen gerne teilt, das innerhalb der Gruppen weitergibt? Das kann schneller und unkomplizierter funktionieren als ein klassisches Seminar. Es ist ein Umdenken gefragt.

2026! Was muss passieren, dass im Friseurhandwerk wieder so eine Aufbruchsstimmung herrscht?
RS
: Always be happy. Selbstmotivation wird ein wesentlicher Anker sein in einer Welt voller negativer Ereignisse. Ich wünsche der Friseurbranche und uns allen für 2026, dass wir den Wert unseres Handwerkes wieder stärker erkennen und keine Scheu haben, dafür auch angemessen zu verlangen. Wir haben zu oft Bedenken, dass unsere Dienstleistung zu teuer ist, fahren aber mit dem Auto in die Werkstatt und zahlen dort 350 Euro für eine Mechanikerstunde. Spätestens jetzt sollte jeder aufwachen und sagen: Genau das bin ich mir auch wert.

Das erfordert was?
RS:
Mut und eine positive Einstellung zum eigenen Job. Ein wichtiges Motto sollte sein: ‚Stärke deine Stärken und nicht deine Schwächen‘! Das führt zu Begeisterung, weil man fördert, was Spaß und Freude bereitet.

Reinhard, ich danke Dir für das Gespräch und wünsche euch viel Erfolg für den Start.

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