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Credit: Chris Hofer

23.01.2026

"Stuhlmiete: Möglichkeit, Betriebsübergaben an nächste Generation zu finanzieren"

Wolfgang Eder positioniert sich klar gegen eine weitere Anhebung der Kleinunternehmer-Grenze sowie gegen eine Art Krankengeld für schwangere Selbstständige. Ein Gespräch über die hiesige Friseurzukunft mit steigenden EPUs, einem wachsenden Stuhlmiete-Angebot und der Frage, wer sich in der Verantwortung für Ausbildung sieht.

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Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder im Interview mit Juliane Krammer

Die WKO startete im Herbst die EPU-Offensive „All in One“. Unter anderem wird eine weitere Anhebung der Umsatzgrenze für Kleinunternehmen auf 85.000 € gefordert! Wie ist Ihre Position dazu?
Wolfgang Eder:
Ich sehe das als Werbekampagne für die WKO, die einen Versuch startet, EPUs zu erreichen und so das Angebot der Wirtschaftskammer vorstellt. Sie wollen darauf hinweisen, dass sie nicht nur für Unternehmen da sind, sondern auch für die EPUs.

… und wie stehen Sie zur Anhebung der Kleinunternehmerregelung?
WE:
Es ist der Zug der Zeit, dass viele denken, sich selbstständig zu machen. Aber natürlich sind wir gegen eine weitere Erhöhung der Kleinunternehmer-Grenze, diese wurde schon 2024 auf 55.000 € erhöht. Damals konnten wir als Interessenvertreter eine weitere Anhebung verhindern. Die EU erlaubt sogar eine Grenze bis zu 100.000 €. Ich bin der Meinung, dass die 55.000 € genügen und keinerlei Erhöhungen stattfinden dürfen. Die unfairen Wettbewerbsbedingungen, die die Kleinunternehmerregelung schafft, sind die Grundlage für unsere Forderung zur Senkung der Mehrwertsteuer.

An der Senkung der Mehrwertsteuer im Friseurhandwerk arbeiten Sie bereits länger. Wie ist der aktuelle Stand?
WE:
Wir haben Studien über die Auswirkungen des unfairen Wettbewerbs und Vorschläge zur Refinanzierung für den Finanzminister übermittelt. Aber im Moment ist es sinnlos. Wir bleiben dran und führen immer wieder Gespräche, die darauf hinweisen, dass diese Forderung eine berechtigte für uns ist.

„Der Staat wird sich überlegen müssen, wie es mit der Dualen Ausbildung weitergehen kann.“

Die Anzahl der Friseur-EPUs stieg 2024 um 5,9 % auf 5.784 Ein-Personen-Unternehmen an, d.h. 58 % sind mittlerweile EPUs. Wer soll sich um die Ausbildung kümmern? Woher kommt der Nachwuchs?
WE:
Wir sind im Vergleich zur Sparte Gewerbe und Handwerk mit 68,3 % nicht die größte Gruppe mit EPUs – aber das beruhigt uns nicht sehr. Das ist für mich ein Thema, bei dem sich der Staat überlegen muss, wie es mit der Dualen Ausbildung weitergehen kann. Es wird den Mitarbeiter-Unternehmen immer schwerer gemacht trotz bestehendem Fachkräftemangel. Wenn unsere Branche aufhört auszubilden, stirbt sie. Das muss jedem bewusst sein. So wie andere Sparten in Maschinen investieren, ist unsere Investition in Zukunft die Ausbildung unserer Mitarbeiter!

Wo liegt der Schwerpunkt der WKO Friseure 2026? EPUs, Nachwuchs, Ausbildungsbetriebe …?
WE: Wenn wir zurückblicken, ist es uns gelungen, die Lehrlingszahlen seit 2 Jahren stabil zu halten. Genauso freuen wir uns, dass die Trinkgeldpauschale für dieses Jahr nicht erhöht wurde. Es kommt auch keine Trinkgeldpauschal-Erhöhung für Lehrlinge in den nächsten 3 Jahren.
Bezüglich EPUs, muss man sich überlegen ob, Flexibilität wirklich ein Vorteil ist im Vergleich zum fixen Lohn. Als gute Friseurin, verdienst du einen guten Lohn, bist bei Unfällen und Krankenständen sozial abgesichert und auch für die Pension ist vorgesorgt.

Sie sprechen sich gegen Selbstständigkeit aus?
WE:
Ich kann nur aufklärend arbeiten und über meine Kanäle meine Ansichten verbreiten. Aktuell scheint der doppelte Weg attraktiv zu sein. Auch ich habe Mitarbeiterinnen, die einerseits bei mir für ein paar Tage angestellt sind und zusätzlich selbstständig arbeiten. Mit der Zeit merken sie aber, dass sie angestellt besser abgesichert sind und dadurch ein besseres Leben haben.

Sie ermöglichen Ihren MitarbeiterInnen also auch, nebenbei selbstständig zu arbeiten?
WE:
Ja, soweit das im Unternehmen möglich ist. Man muss in Zeiten des Fachkräftemangels Wege finden, Mitarbeiter zu halten.

Vor 7 Jahren äußerten sie sich tendenziell kritisch zum Thema Stuhlmiete. Hat sich Ihre Position verändert?
WE:
Stuhlmiete ist eine Möglichkeit, sich als EPU selbstständig zu machen. Man muss akzeptieren, dass man gegen gesellschaftliche Veränderungen nicht ankämpfen kann, sondern sich die Branche weiterentwickelt. Ob der Weg in die Selbstständigkeit im Gegensatz zum Angestelltenverhältnis ein guter Schritt ist, muss jeder für sich entscheiden. Die Notwendigkeit in der Gesellschaft wird gegeben sein, der Markt wird es brauchen.

"Vielleicht ist Stuhlmiete eine Möglichkeit, Betriebsübergaben an die nächste Generation zu finanzieren. Wünschenswert ist, klein anzufangen und groß aufzuhören."

Es gibt auch die Möglichkeit, Stuhlmiete mit Mitarbeitenden auszuführen …
WE:
Vielleicht ist Stuhlmiete eine Möglichkeit, Betriebsübergaben an die nächste Generation zu finanzieren. Wünschenswert ist, klein anzufangen und groß aufzuhören.

Noch einmal zurück zum Schwerpunkt für das kommende Jahr, wo liegt dieser?
WE:
Natürlich ist unser Bestreben, Ausbildung zu unterstützen, einerseits mit moderner Werbung für den Beruf oder einer VR-Brille, mit der man wunderbar unseren Beruf digital präsentieren kann. Außerdem müssen wir darauf achten, dass uns die Prämien und Unterstützungen nicht gestrichen werden. Vor allem ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen für die Ausbildung so bleiben und nicht schlechter werden, sondern mit Ausbildungsleitfaden und Berufsausbildungsgesetz besser werden. Wir wollen Erleichterung in der Berufsausbildung schaffen. Derzeit müssen Lehrlinge 40 Stunden beschäftigt werden. Es gibt aber immer mehr Unternehmen, die weniger Stunden geöffnet haben. Hier wollen wir einen Weg finden, dass diese Betriebe Lehrlinge ausbilden dürfen. Außerdem tauchen immer wieder Themen auf wie „Verhältniszahlen“ also, wie viele Fachkräfte auf einen Lehrling fallen müssen. Im Fokus ist auch das „Arbeitsinspektorat in Bezug auf Schwangere“, inwieweit sie Haare färben dürfen. Da gibt es jede Menge Gesprächsbedarf.

Die Rufe von selbstständigen Friseurinnen nach einer Art Krankengeld werden immer lauter, damit man in der Schwangerschaft keine Risiken eingehen muss. Ist diese Personengruppe auf dem Schirm der Innung?
WE:
Ich muss mich in meinem Leben für etwas entscheiden und kann nicht sagen, ich nehme mir die Zuckerl aus dem Selbstständig-sein raus. Wenn ich die Absicherungen wie ein Mitarbeiter haben will, wer soll das zahlen?

Einerseits wird unterstützt, dass Frauen sich selbstständig machen, ausbilden und Arbeitsplätze schaffen, andererseits fallen sie aber als schwangere Selbstständige durch den Rost …
WE: Meine Frau ist seit 40 Jahren selbstständig und hat alles durchgemacht und wir haben zwei Kinder erzogen. Es ist auch gegangen. Sie hat nicht allein gearbeitet, sie hat Mitarbeiterinnen. Und wenn eine Absicherung kommt für Krankenstände für Frauen, muss es diese Unterstützung auch für Männer geben. Wenn sich jemand für die Selbstständigkeit entscheidet, muss man sich an die Regeln halten und kann nicht Sozialleistungen fordern, die Angestellte haben. Man muss sich den Konsequenzen daraus bewusst sein und Nachteile in Kauf nehmen.

Danke, Herr Eder, für Ihre Zeit und das Gespräch!

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