Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder im Interview mit Juliane Krammer
Die WKO startete im Herbst die EPU-Offensive „All in One“. Unter anderem wird eine weitere Anhebung der Umsatzgrenze für Kleinunternehmen auf 85.000 € gefordert! Wie ist Ihre Position dazu?
Wolfgang Eder: Ich sehe das als Werbekampagne für die WKO, die einen Versuch startet, EPUs zu erreichen und so das Angebot der Wirtschaftskammer vorstellt. Sie wollen darauf hinweisen, dass sie nicht nur für Unternehmen da sind, sondern auch für die EPUs.
… und wie stehen Sie zur Anhebung der Kleinunternehmerregelung?
WE: Es ist der Zug der Zeit, dass viele denken, sich selbstständig zu machen. Aber natürlich sind wir gegen eine weitere Erhöhung der Kleinunternehmer-Grenze, diese wurde schon 2024 auf 55.000 € erhöht. Damals konnten wir als Interessenvertreter eine weitere Anhebung verhindern. Die EU erlaubt sogar eine Grenze bis zu 100.000 €. Ich bin der Meinung, dass die 55.000 € genügen und keinerlei Erhöhungen stattfinden dürfen. Die unfairen Wettbewerbsbedingungen, die die Kleinunternehmerregelung schafft, sind die Grundlage für unsere Forderung zur Senkung der Mehrwertsteuer.
An der Senkung der Mehrwertsteuer im Friseurhandwerk arbeiten Sie bereits länger. Wie ist der aktuelle Stand?
WE: Wir haben Studien über die Auswirkungen des unfairen Wettbewerbs und Vorschläge zur Refinanzierung für den Finanzminister übermittelt. Aber im Moment ist es sinnlos. Wir bleiben dran und führen immer wieder Gespräche, die darauf hinweisen, dass diese Forderung eine berechtigte für uns ist.
„Der Staat wird sich überlegen müssen, wie es mit der Dualen Ausbildung weitergehen kann.“
Die Anzahl der Friseur-EPUs stieg 2024 um 5,9 % auf 5.784 Ein-Personen-Unternehmen an, d.h. 58 % sind mittlerweile EPUs. Wer soll sich um die Ausbildung kümmern? Woher kommt der Nachwuchs?
WE: Wir sind im Vergleich zur Sparte Gewerbe und Handwerk mit 68,3 % nicht die größte Gruppe mit EPUs – aber das beruhigt uns nicht sehr. Das ist für mich ein Thema, bei dem sich der Staat überlegen muss, wie es mit der Dualen Ausbildung weitergehen kann. Es wird den Mitarbeiter-Unternehmen immer schwerer gemacht trotz bestehendem Fachkräftemangel. Wenn unsere Branche aufhört auszubilden, stirbt sie. Das muss jedem bewusst sein. So wie andere Sparten in Maschinen investieren, ist unsere Investition in Zukunft die Ausbildung unserer Mitarbeiter!