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Credit: Melanie Müller Fotografie (Rand erweitert mit KI)

22.01.2026

"Neue Mitarbeiter rentieren sich erst nach einem Jahr"

35 Stunden-Woche und 6 Wochen Urlaub sind noch nicht alles, was Denise Reif ihrem Team bietet. Um Fluktuation zu vermeiden, kommen u.a. Goodies wie monatliche Tankgutscheine und Feierabend um 17:00 Uhr hinzu. Ob die wirtschaftliche Rechnung aufgeht, wollten wir wissen …

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Denise Reif im Interview mit Juliane Krammer

Liebe Denise, ihr seid gerade auf Mitarbeitersuche und bietet zahlreiche ► Goodies?
Denise Reif:
Mitarbeiterbindung wird im Handwerk immer wichtiger. Die Zahlen sagen alles: Ausbildungen gehen zurück, Abbrüche steigen und das hat zur Folge, dass es immer weniger ausgebildete Friseurinnen und Friseure gibt. Hinzu kommen Faktoren, dass Kolleginnen wegziehen, aus diversen Gründen kündigen oder schwanger sind, was in einem Frauenberuf keine Seltenheit ist.

"Es dauert tatsächlich Minimum ein Jahr, manchmal sogar zwei, bis der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin richtig gute Umsätze einfahren."

Viele sind der Meinung, dass das Unternehmen schuld ist, wenn eine große Fluktuation vorherrscht …
DR:
Wenn Leute weglaufen, liegt das oft gar nicht am Unternehmen. Jedoch ist es mir besonders wichtig, gute Mitarbeiter zu behalten. Es dauert tatsächlich Minimum ein Jahr, manchmal sogar zwei, bis der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin richtig gute Umsätze einfahren.

"Aber wenn du jemanden hast, der einen Kundestamm hat, fast immer ausgebucht ist, dann muss man alles daransetzen, die Person zu halten."

Woran liegt das?
DR:
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Kunden wollen immer zu „ihrer“ Friseurin, zu „ihrem“ Friseur. Am Anfang steht die neue Mitarbeiterin erstmal viel rum, sprich Leerlauf und das muss der Arbeitgeber auch bezahlen. Aber wenn du jemanden hast, der einen Kundestamm hat, fast immer ausgebucht ist, dann muss man alles daransetzen, die Person zu halten.

"Klar, kann ich Goodies streichen und meinen Gewinn in die Höhe treiben, aber habe ich am Ende wirklich mehr gewonnen?"

Deswegen hast du dir die ganzen Goodies für dein Team einfallen lassen?
DR:
Mit Goodies zu werben, kann für die Mitarbeitergewinnung hilfreich sein. Außerdem heben wir uns von der Konkurrenz ab, ganz besonders von Kettenfriseuren. Zusätzlich merken wir, dass die Annonce nicht nur dazu dient, Friseure zu gewinnen, sondern auch unsere Kunden sehen das und geben uns wahnsinnig tolles Feedback. Für uns steht ein familiäres und entspanntes Miteinander unter Kollegen im Vordergrund und meine Mitarbeiter sollen sich in jedem Fall von ihrem Verdienst bei mir mit Lohn und Goodies immer ein ordentliches Leben leisten können. Schluss mit dem Slogan: Als FriseurIn verdienst Du nix!

Ihr seid in einer eher ländlichen Gegend, seid im mittleren Preissegment angesiedelt und gleichzeitig bietet ihr ein tolles Angebot für Mitarbeiter. Wie schafft man diesen Spagat?
DR:
Ich kalkuliere diese Goodies gut durch und sehe mir an, was mich das real umgesetzt kostet. Es ist aber auch dadurch möglich, weil wir einen sehr großen und treuen Kundenstamm haben. Außerdem habe ich mich dafür entschieden, dass ein gewisser Prozentsatz meines kalkulierten Gewinns reicht. Natürlich könnte ich auch anders bei den Preisen ansetzen, aber es war nie mein Ziel, reich zu sein. Im Leben finanziell gut dazustehen reicht für mich aus. Ich will mir 2x im Jahr ohne Probleme Urlaube leisten können, ein ordentliches Zuhause haben und wenn ich essen gehen will, nicht nachdenken müssen, ob ich mir das leisten kann. Und mit dem Gewinnsatz, den ich kalkuliere, kann ich das. Klar, kann ich Goodies streichen und meinen Gewinn in die Höhe treiben, aber habe ich am Ende wirklich mehr gewonnen? Wenn mich Mitarbeiter öfter verlassen, bedeutet das für mich Stress. Fluktuation ist auch für Kunden nicht angenehm und bringt Unruhe in den Betrieb.

Danke, Denise, für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Über Denise Reif

Denise Reif hat 2019 den Salon „Friseurteam Kern“ in Heßdorf/Bayern von ihren Eltern übernommen. Der Salon, der ursprünglich 1987 gegründet wurde, besteht aus einem Team von 12 Personen, davon sind 3 Vollzeitkräfte, 7 Teilzeitkräfte, ein Lehrling und eine Putzkraft.

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